



Andi LeThürm, o.T. (aus der Serie „Natur in ihrer schönsten Form“, 2011)
Das Fotografiefestival F/STOP Leipzig kündigt sich nach einem Jahr Pause in einer Neuauflage für den Sommer 2012 an.
Veranstaltet wird das Festival vom Zentrum für zeitgenössische Fotografie Leipzig e.V. Die kuratorische Leitung übernehmen Christin Krause und Thilo Scheffler.
////
F/STOP 2012: ›The History of Now‹
Kurzkonzept
Trotz zahllos proklamierter Tode, erweist sich die Fotografie auch zu Beginn des 21. Jahrhunderts als ein ausgesprochen vitales Medium. Es sind vor allem die technologischen Errungenschaften der vergangenen beiden Dekaden, die dem Umgang mit fotografischen Bildern – sowohl in der Produktion und Verbreitung als auch in der Rezeption – zu einer neuen Konjunktur verholfen haben. Alle gegebenen Zweifel an der Authentizität und Wahrhaftigkeit der Bilder scheinen ihrer Wirkungsmacht dabei keinen Abbruch zu leisten. Vielmehr lösen Prozesse wie die Gleichzeitigkeit von Bildentstehung und öffentlicher Wahrnehmung das Gegenteil aus: In den wackligen Bildern des zerberstenden Atommeilers von Fukushima findet der euphemistische Ausdruck des „Restrisikos“ seinen visuellen Meister.
Auch wenn die Instrumentalisierung von Fotografie nahezu so alt ist wie das Medium selbst, werden fotografische Bilder aufgrund ihrer Allgegenwart immer häufiger zu wohlfeilen Agenten politischer Praxis. So findet das Ende des meistgesuchten Mannes der Welt tausende Kilometer westlich vom eigentlichen Ort des Geschehens seine Visualisierung: Nicht das Bild eines verseh-rten Leichnams bleibt vom Tod Osama bin Ladens, sondern der Blick in die gebannte Runde der medialen Zeugen im Washingtoner Hinterzimmer. Politik macht Bilder. Bilder machen Politik. Unter diesen Vorzeichen will sich die Neuauflage des Festivals F/STOP im Jahr 2012 mit den aktuellen Möglichkeiten und Bedingungen visueller Beschreibung von Welt auseinandersetzen. Ein Blick auf die Gegenwart, der auch der Vergangenheit Beachtung schenkt. Fragen stellen sich wie die nach den Strategien von Künstlern, die mit einem starken Bewusstsein für die Problematiken der fotografischen Berichterstattung arbeiten.
Welche Konsequenzen ergeben sich daraus in Bezug auf das Verhältnis von künstlerischer Foto-grafie und medialen Bildern? Wie kann man auf aktuelle Ereignisse reagieren? Und welche Auswirkung hat die Allgegenwart fotografischer Bilder auf unsere Wahrnehmung und wie gehen Künstler damit um?
Das hier beschriebene Szenarium und die daraus entstehenden Fragen nimmt F/STOP 2012 zum Anlass, den Begriff des Dokumentarischen im Rahmen des Festivals intensiv zu diskutieren. Dafür werden neben der Festivalleitung ein namhafter Künstler, ein privater Sammler sowie ein Fotobuchspezialist die Rolle von Kuratoren einnehmen und in jeweils eigenen Ausstellungen ihren spezifischen Blick auf die Festivalfragen richten. Mit diesem markanten Profil der heterogenen Perspektiven knüpft F/STOP nicht nur an die umfangreiche Leipziger Tradition der Fotografie und Buchgestaltung an, sondern erlangt das Potenzial, sich mittelfristig zu einem der wichtigsten Festivals für Fotografie und Videokunst in Deutschland zu entwickeln.
Auf dem Gelände der Baumwollspinnerei wird F/STOP ab Sommer 2012 in zweijährigem Rhythmus einen Festivalplatz finden, der als Ort für Ausstellungen und Diskussionen, als Forum von Vermittlung und Austausch sowohl vom Fachpublikum als auch von einer interessierten Öffentlichkeit international wahrgenommen wird. In diesem Zusammenhang sind neben Führungen und Workshops insbesondere ein Symposium sowie Künstlergespräche und Lectures geplant. Außerdem wird in Zusammenarbeit mit dem Luru-Kino ein Filmprogramm konzipiert, um auch das besondere Verhältnis von Fotografie und Film unter dem Aspekt des Festivalthemas zu beleuchten. Die Faszination, die nach wie vor von der Fotografie ausgeht, liegt in ihrem besonderen Verhältnis zur Welt begründet – in der mit ihr verbundenen Zeugenschaft von Gegenwärtigem und Vergangenem. Den dabei auftretenden Versprechen und Enttäuschungen widmet sich F/STOP 2012.
Christin Krause, geboren 1981 in Leipzig, studierte Kunstgeschichte und Romanistik in Berlin und Paris. Als Stipendiatin der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung im Programm „Museumskuratoren für Fotografie“ realisierte sie verschiedene Projekte im Museum Folkwang in Essen, in den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, im Münchner Stadtmuseum sowie am Jeu de Paume in Paris.
Thilo Scheffler, geboren 1978 in Leipzig, hat Kulturwissenschaften, Kunstgeschichte und Kommunikations- und Medienwissenschaften an der Universität Leipzig studiert. 2004 hat er die Fotografie-Ausstellung 3x2=7 in Leipzig konzipiert, die 2005 unter dem Titel Alles was glänzt auch im Kunstverein Göttingen zu sehen war. In einem internationalen Team erarbeitete er die Ausstellung Three Hours Between Planes, eine Ausstellung zeitgenössischer Fotografie aus Leipzig und Chicago, die 2008 in der Werkschau der Leipziger Baumwollspinnerei und im Chicago Cultural Center stattfand.
////
Um die Zeit etwas zu verkürzen, könnte ihr in der jungen Geschichte des Festivals stöbern.