



Andi LeThürm, o.T. (aus der Serie „Natur in ihrer schönsten Form“, 2011)
4. Fotofestival Mannheim Ludwigshafen Heidelberg (10.09. bis 06.11.2011)
Mit dem Thema „The eye is a loneley hunter – Images of Humankind“ stellt das 4. Fotofestival Mannheim Ludwigshafen Heidelberg in diesem Jahr die conditio humana, die Bedingungen des Menschseins, in den Mittelpunkt.
Dementsprechend sind die ausgestellten Arbeiten überwiegend dokumentarischen Charakters.
In fünf Subthemen gegliedert, bietet das Fotofestival dem Besucher an acht Orten, darunter drei Soloshows, ein breites Spektrum an fotografischen und audiovisuellen Positionen zeitgenössischer Künstler.
Die Gruppenausstellung „Rolle und Ritual“ in der Kunsthalle Mannheim widmet sich den Thematiken „der Künstler als Forscher “ und das Ritual als theatralisches Ereignis oder als Alltagsphänomen, in dem sich soziale Rollen widerspiegeln. Der Künstler Chen Chieh-Jen beispielsweise verbindet in seinem Film „Lingchi“ Historie mit der Gegenwart. Den Ausgangspunkt für diese Arbeit stellt eine Fotografie aus dem Jahr 1905 dar, welche die letzte öffentliche, rituelle Hinrichtung (den „Tod durch 1000 Schnitte“) in China zeigt. Die durch das verlangsamte Tempo ästhetisierte Szenerie des Films hinterfragt sowohl politische und religiöse Zusammenhänge, als auch die Grenzen von Ritual und Folter.
Die Schau im Zephyr-Raum für Photographie der Reiss-Engelhorn-Museen steht unter dem Motto „Affekt und Wirkung von Politik“ und zeigt Fotoarbeiten, die sich mit den direkten Auswirkungen der Politik auf den Menschen auseinandersetzen. Zehn internationale Positionen wurden dafür ausgewählt, darunter die iranische Fotografin Gohar Dashti. Sie inszeniert in ihrer Serie „Today's life and war“ traurig-ironische Bilder eines jungen iranischen Paares, dessen Alltag, umgeben von Zeugnissen des Kriegsgeschehens, sich mit ersehnter Normalität zu füllen scheint.
Des weiteren sind die Gruppenausstellungen „Ökologische Kreisläufe“ (Wilhelm-Hack-Museum Ludwigshafen), „ Das alltägliche Leben“ (Kunstverein Ludwigshafen) und „Lebenskreisläufe“ (Kunstverein Heidelberg) zu sehen. Die Einzelausstellungen von Roger Ballen in der Sammlung Prinzhorn (Heidelberg), Tobias Zielony in der Halle 02/Kunsthalle (Heidelberg) und das Außenprojekt von Beat Streuli auf dem Alten Meßplatz in Mannheim runden das Festival ab.
Neben den soziopolitischen und ökologischen Hintergründen und Zusammenhängen wird man als Betrachter auch immer wieder mit der Frage nach dem Realitätsgehalt und dem Wahrheitsanspruch von Fotografie konfrontiert.
ZZF-Fazit: Die Kuratorinnen Solveij Helweg Ovesen und Katerina Gregos haben das Thema und das Konzept sehr stimmig umgesetzt. Besonders beeindruckend und empfehlenswert ist die Ausstellung „Rolle und Ritual“ in der Kunsthalle Mannheim.
Nähere Infos: www.fotofestival.info
Kurz-Intro auf YouTube mit der Kuratorin Solveij Helweg Ovesen
< Christoph Tannert im Interview mit dem ZZFVon: Peggy Hempel/Sebastian Hühmer









